Pflanzen-Biotechnologie
im Rahmen der Expertentätigkeit im Projekt Regionale Innovationsstrategie
Region Altmark-Harz-Magdeburg RIS-RAHM
Projektkoordimator:
tti Technologietransfer und Innovationsförderung
tti Magdeburg GmbH
Bruno-Wille-Straße 9
39108 Magdeburg
Vertragspartner:
Leiter des Thematischen Projektfeldes: Prof.Dr.-Ing. Wobus
Experte: Dr. Uwe Schrader
Bioregion Halle-Leipzig Management GmbH
Inhaltsverzeichnis
Seite
1 Darstellung des Wissensstandes
1.1 Verfügbare Materialien ab 1997
1.2 Technologische Schwerpunkte
2 Analyse des Bedarfs und des Angebotes
2.1 Darstellung des Bedarfs der Unternehmen und des Marktes
2.1.1 Marktpotentiale
2.1.2 Institutionen/Unternehmen der Region und Profile
2.2 Darstellung des Angebotes der Region
2.3 Internationale Entwicklungstrends
3 Stärken und Schwächen - Kurzanalyse
4 Begründung der Projektgruppe
5 Ansätze für Maßnahmen und Projekte
1. Darstellung des Wissensstandes
Die Pflanzenbiotechnologie ist der Schlüssel für die moderne
Züchtungsforschung, die eine immer größere Bedeutung für die Sicherung der
Nahrungsmittelversorgung der Weltbevölkerung, die Herstellung und Verarbeitung
von Pflanzeninhaltsstoffen bis hin zur Umweltvor- und Nachsorge bekommt.
Die Anwendung der Gentechnologie in der Pflanzenzucht wird bereits als Teil
einer "dritten technologischen Revolution" nach der industriellen
Revolution zu Beginn des Jahrhunderts und den Auswirkungen der Mikroelektronik
gepriesen ( Abelson, Science 279:2019, 1998 In der Tat eröffnet die
Pflanzenbiotechnologie unter Ressourcen-Gesichtspunkten enorme Möglichkeiten.
Mittels pflanzenbiotechnologischer Verfahren, die im Einzelnen weit über die
Gentechnik im eigentlichen Sinne hinausgehen, lassen sich biochemische und
entwicklungsbiologische Merkmale erschließen, die mit konventionellen
züchterischen Methoden nicht oder nur mit wesentlich höherem Zeitaufwand und
geringerer Erfolgswahrscheinlichkeit zugänglich wären.
Hinter dem mit jeweils ca. 30 Mrd. $ weltweit vergleichsweise kleinen
Marktvolumen für Pflanzenschutzmittel und Saat- und Pflanzgut steht ein Markt
für Agrarprodukte von ca. 300 Mrd. $ und der Markt für Nahrungsmittel in Höhe
von weltweit ca. 3.000 Mrd. $. Daraus wird unmittelbar ersichtlich, daß die
Pflanzenbiotechnologie an einer Vielzahl von Wertschöpfungsquellen
partizipieren kann, die ihrerseits eine Vielzahl von aktiven Marktteilnehmern
mit ihrer jeweiligen Spezialisierung zulassen.
Aus der wissenschaftlich-technischen Realisierung und der weltweiten
wirtschaftlichen Umsetzung des Potentials der Pflanzenbiotechnologie zeichnen
sich für die kommenden Jahre und Jahrzehnten vielfältige Veränderungen für
die Landwirtschaft, die Saatzüchter, die primär- und weiterverarbeitende
Industrie, die Nahrungsmittelindustrie und die chemische Industrie ab. Bereits
heute sind die Strukturveränderungen in den beteiligten Branchen
Pflanzenschutzmittelindustrie und Saatzucht unübersehbar und zwingen
insbesondere die ressourcenbegrenzten mittelständischen Saatzüchter zu
Weichenstellungen für die Zukunft.
Ähnlich der Pharma-Biotechnologie gewinnt die Bundesrepublik Deutschland
auch in der kommerziellen Nutzung der "grünen" Biotechnologie erst
zeitverzögert Anschluß. In Sachsen-Anhalt und hier vornehmlich in der
klimatisch begünstigten Region Nordharz/Börde sind die strukturellen
Voraussetzung mit der Dichte an wissenschaftlichen Einrichtungen,
Saatzuchtunternehmen und modernen Verarbeitungsbetrieben, sowie hoher Akzeptanz
als Basis für die Ideenfindung, Ideenumsetzung und nachhaltige Teilnahme an der
Wertschöpfung jedoch besonders gut.
Die Vernetzung der in der Region Nordharz/Börde angesiedelten
wissenschaftlichen Einrichtungen mit den Saatzuchtunternehmen, die ihrerseits
über einen unschätzbaren Fundus an Zuchtmaterial verfügen, dem
Verarbeitungs-know-how und den auf die internationalen Märkte ausgerichteten
Zielvorgaben der verarbeitenden Industrie sowie dem know-how der großen,
agrartechnisch bevorzugten landwirtschaftlichen Betriebe in der Region eröffnet
eine im Weltmaßstab wettbewerbsfähige Entwicklungsplattform für neue,
innovative Verfahren und Produkte.
Die Nutzung dieser in der Region Nordharz konzentrierten Faktoren für den
Auf- und Ausbau von Unternehmen, ihre Positionierung im internationalen
Wettbewerb und die damit verbundenen Arbeitsplatz- und Wertschöpfungseffekte
läuft allerdings nicht von selbst. Dies hat vielfältige Gründe wie Aspekte
des Technologietransfers aus der Wissenschaft in die Wirtschaft und die
Finanzstärke von Unternehmen, um aktiv in Hochtechnologien investieren zu
können. Die Zahl der mit venture capital finanzierten
Biotechnologiegründungen, die sich in USA, Großbritannien und den Niederlanden
als wesentlicher Motor des Technologietransfers bewährt haben, muß deutlich
erhöht werden.
Ziel des Vorhabens "Pflanzenbiotechnologienetzwerk
Nordharz/Börde"
ist daher die Informationsunterstützung in der Region zur Vernetzung
bestehender Einheiten, insbesondere der hochrangigen wissenschaftlichen
Einrichtungen der Region mit den ortsansässigen Saatzucht- und
lndustrieunternehmen, die Öffnung des Blickfeldes für den internationalen
Markt und die Möglichkeiten und Erfordernisse zu regionalen, nationalen und
internationalen Kooperationen und Allianzen. Der Bedeutung der kleinen und
mittleren Unternehmen ( KMU's ) und ihrer Rolle in der Entwicklung von high-tech-Geschäften
entsprechend sollen bestehende und neue Förderprogramme genutzt werden, Firmen
zu gründen und Unternehmen in ihrem Wachstum zu stärken.
Unter der thematischen Klammer "Pflanzenbiotechnologienetzwerk und neue "output
traits" sollen die in der Region vorhandenen herausragenden
Standortvorteile synergistisch genutzt werden, um am weltweiten
Wertschöpfungspotential der "life science-Industrie" teilzuhaben und
langfristig erfolgreiche Unternehmen mit hochwertigen Arbeitsplätzen zu
schaffen.
Das Projekt "Pflanzenbiotechnologie Nordharz/Börde" zielt
inhaltlich auf die ldentifizierung und Entwicklung von output traits, also der
großen Gruppe der Qualitätsmerkmale der Kulturpflanzen für die Anbautechnik,
die Eigenschaften der Primär- bzw. Frischprodukte und die Verarbeitung zu
Inhaltsstoffen und Endprodukten. Dies ist ein in jeder Hinsicht
interdisziplinäres und die Verarbeitungsstufen übergreifendes Vorhaben mit
hohem Kommunikationsbedarf, für das die Region aufgrund der Präsenz der
beteiligten Branchen und Institutionen besonders qualifiziert ist.
1.1. Verfügbare Materialien ab 1997
• Bioregion Halle-Leipzig, Konzept zur Teilnahme am BioRegio-Wettbewerb des
BMBF (Autor: Bioregion Halle-Leipzig und Boston Consulting Group (BCG) -
10/1996)
• Studie:"Pflanzenbiotechnologie- wirtschaftliche
Nutzungsmöglichkeiten für Sachsen- Anhalt" (Autor: Dr. Wilke &
Partner GmbH im Auftrag des MW-LSA, 5/1999)
• InnoRegio-Antrag:"Pflanzenbiotechnologie Nordharz/Börde"
(Autor: Gfw Aschersleben/Staßfurt und Bioregion Halle-Leipzig Management GmbH,
8/1999)
1.2. Technologische Schwerpunkte
Trotz der Regionalität, die dem Pflanzenbau aufgrund von Klima und
Bodenbeschaffenheit innewohnt, hat die Pflanzenbiotechnologie als typische high-tech-Entwicklung
einen weitgehend globalen Charakter. Errungenschaften, die am Modellsystem
gezeigt werden können, lassen sich anschließend mit mehr oder weniger
Generalität auf alle wichtigen Kulturpflanzen übertragen. Während die erste
Welle der kommerziellen Produkte für die Pflanzenschutzmittelindustrie und die
Landwirtschaft gleichermaßen wichtige, aber auch naheliegende genetische
Merkmale wie Insektenresistenz und Herbizidtoleranz betrifft - die sogenannten input
traits - zeichnen sich weitere und die unmittelbaren Interessen der
Pflanzenschutzmittelindustrie bei weitem übertreffende wirtschaftliche
Zielsetzungen bereits ab:
2. Analyse des Bedarfs und des Angebots
2.1. Darstellung des Bedarfs der Unternehmen und des Marktes
2.1.1. Marktpotentiale
Die Kommerzialisierung der molekularen Pflanzengenetik und
Pflanzenbiotechnologie hinkt der Anwendung gentechnischer und
molekulargenetischer Methoden im Pharmabereich um mindestens 10 Jahre nach. Dies
spiegelt nicht nur technologische Hürden bei der praktischen Umsetzung der
neuen Techniken in der Pflanzenzucht wider, sondern auch die unterschiedliche
Marktbedeutung, die "Pharma" und "Agro" für die chemisch-
pharmazeutische Industrie und für Kapitalinvestoren hat.
Der Weltmarkt für Fertigarzneimittel zu Herstellerabgabepreisen beträgt ca.
300 Mrd. der Weltmarkt für Pflanzenschutzmittel und Saatgut dagegen jeweils
"nur" ca. 30 Mrd. Ähnlich sind in USA als Ehrendem
Biotechnologie-Investitionsstandort weltweit über 1000 mit Risikokapital
finanzierte Firmengründungen erfolgt, die sich der Erforschung neuer Therapien
und der Entwicklung und Herstellung neuer Arzneimittel widmen, während die Zahl
der pflanzenbiotechnologisch arbeitenden biotech companies kaum 20
beträgt.
Der Markt für gentechnisch verändertes bzw. transgenes Saat- und Pflanzgut
betrug 1996 weltweit 400 - 500 Mio. $, also etwa 1. 5 % des Gesamtmarktes in
Höhe von ca. 30 Mrd. Er soll nach verschiedenen Schätzungen auf 5 - 6 Mrd. $
im Zeitraum 2002 - 2005 und auf 20 Mrd. $ in 2010 wachsen. Dabei ist zu
berücksichtigen, daß das Umsatz- und Mengenwachstum sowohl des
Pflanzenschutzmittel- wie des Saatzuchtmarktes mit durchschnittlich 2 % p. a.
flach ist, woran auch die Pflanzenbiotechnologie nur insofern etwas ändert, als
sie einen gewissen Anteil der Wertschöpfung, den die output traits für
die Landwirtschaft und anschließende Weiterverarbeitung der Agrarprodukte
erwirtschaften, für die Saatzüchter und insbesondere die Technologiegeber aus
der life science-Industrie und den biotech companies beansprucht.
Das prognostizierte Wachstum des gentechnisch veränderten Saat- und Pflanzgutes
auf 20 Mrd. $ geht also auf weiter Strecke zu Lasten des bestehenden
Pflanzenschutzmittel- und konventionellen Saatzuchtgeschäftes.
Aus der wissenschaftlich-technischen Realisierung und der weltweiten
wirtschaftlichen Umsetzung dieses Potentials durften in den kommenden Jahren und
Jahrzehnten vielfältige Veränderungen für die Landwirtschaft, die
Saatzüchter, die primär- und weiterverarbeitende Industrie, die
Nahrungsmittelindustrie und last not Test die chemische Industrie resultieren,
die zur Zeit unter dem Logo life science-Experten am besten positioniert
zu sein scheint.
Der Weltmarkt für Pflanzenschutzmittel beträgt ca. 32 Mrd. $, wovon die
Hälfte auf Herbizide, ein Viertel auf lnsektizide, 20% auf Fungizide und der
Rest auf Nematozide etc. fällt. Biologische Pflanzenschutzmittel haben keine
nennenswerte Bedeutung. Das Pflanzenschutzmittelgeschäft ist oligopolistisch
strukturiert. 80% des Weltmarktes werden von 10 führenden Herstellern bedient.
Das geringe Marktwachstum bei gleichzeitig hohen Entwicklungsaufwendungen
führte zu einer Branchenrestrukturierung, in deren Verlauf Hoechst und Schering
ihre Pflanzenschutzmittelaktivitäten 1994 in der AgrEvo zusammenschlossen. Die
beiden Baseler Firmen Ciba-Geigy und Sandoz fusionierten 1996 aufgrund des
Konzentrationsdruckes in der Pharmaindustrie zur Novartis, womit gleichzeitig
der weltgrößte Pflanzenschutzmittelhersteller, Novartis Crop Protection AG,
und der zweitgrößte Saatzüchter, Novartis Seed AG, entstanden. 1997 trennte
sich das Pharmaunternehmen Eli Lilly von seinem agrochemischen Geschäft und gab
es an seinen J.V.-Partner Dow Chemicals ab ( s. Tabelle "Führende
Pflanzenschutzmittelhersteller").
Die Aussicht, in dem stagnierenden Pflanzenschutzmittelmarkt durch Anwendung
der Pflanzenbiotechnologie Positionsverbesserungen zu erzielen, erklärt die
für das Marktvolumen und die Profitabilität der Branche unerwartet hohe
interne und externe F&E- Intensität. Die sich abzeichnenden Erfolge in der
Einführung von transgenen Kulturpflanzen in Nordamerika, Argentinien und
Brasilien haben der durch Übernahme und Fusion von
Pflanzenschutzmittelherstellern erfolgten Marktkonsolidierung weiteres Momentum
gegeben und zu einer regen Akquisitionstätigkeit der Unternehmen in die
Biotechnologie- und Saatzuchtbranche geführt. Zahlenmäßig führend im Erwerb
von biotech Doms und Saatzüchtern ist Monsanto. Der umsatzmäßig größte
Einkauf in die Saatzuchtbranche erfolgte seitens DuPont, die im Rahmen eines
Aktientauschs das weltweit größte Saatzuchtunternehmen Pioneer lfi-Bred
erworben haben. Der höchste Preis für ein Pflanzenbiotechnologieunternehmen
wurde von AgrEvo für die niederländische Plant Genetic Systems bezahlt.
Im Gegensatz zur Pflanzenschutzmittelindustrie ist das weltweite Saat- und
Pflanzgutgeschäft extrem fragmentiert. Die 10 führenden Saatzuchtunternehmen
weltweit decken etwa 25 % des Gesamtmarktes in Höhe von ca. 30 Mrd. $ jährlich
ab, wobei allerdings knapp die Hälfte dieses Betrages auf staatliche
Züchtungsstationen entfällt. Bedeutsam ist, daß sich die verbleibenden 25 %
des privatwirtschaftlichen Saat- und Pflanzgutgeschäftes auf über tausend
mittelständische Saatzüchter verteilen, was sowohl die regionale wie die
produkt- bzw. sortenbedingte Fragmentierung dieses Marktes zum Ausdruck bringt.
Daraus resultiert ferner, daß sich der Durchschnittsumsatz dieser kleinen
Züchter im einstelligen Millionenbereich bewegt, womit sich Forschung oder gar
high-tech- Forschung von vornherein verbieten. Unter dem aus den Auswirkungen
der Pflanzenbiotechnologie resultierenden Konzentrationsdruck ist mit weiteren
Strukturbereinigungen in der Saatzuchtbranche zu rechnen, die sich insbesondere
hinsichtlich der weltweit angebauten Kulturpflanzen Mais, Weizen, Sojabohne,
Ölsaaten und Baumwolle zu einer echten Industrie wandeln dürfte. Gleichzeitig
wird Raum für eine Vielzahl von Spezialisten für die Bedienung von regionalen
und produktseitigen Nischen bleiben, die von den global agierenden Marktführern
nicht bedient werden können.
Unbeschadet der Tatsache, daß die Zahl der
Pflanzenbiotechnologie-Unternehmen ( ag- biotech companies, s. Tabelle ) im
Vergleich zu den Pharma-Biotechnologiegründungen vernachlässigbar gering ist,
haben auch im Bereich der Pflanzengenetik die Universitätsausgründungen ( "spin-offs"
) und V.C.-finanzierten Neugründungen ( "start- ups" ) einen,
genauer gesagt den wesentlichen Beitrag zum Technologietransfer aus der
Wissenschaft in die Wirtschaft geleistet. International tätige Firmen wie
Novartis, Monsanto und Schering AG haben ihrerseits frühzeitig mit
pflanzengenetischer Forschung begonnen, es waren aber Firmen wie Calgene (
FlavrSavrR-Tomate Mycogen ( Bacillus thuringiensis-Sprühprodukte und
modifizierte Bt-Toxine und Plant Genetic Systems, die unter dem Erfolgsdruck des
Kapitalmarktes die kommerzielle Relevanz ihrer high-tech- Ansätze unter Beweis
stellen mußten ( "proof of concept" ). Daß diese Firmen
ihrerseits anschließend von der Industrie übernommen wurden und daß es die
etablierte Industrie ist, die die neuen Produkte zur Markteinführung und zum
Durchbruch bringt, ist eine Frage der finanziellen Ressourcen.
2.1.2. Institutionen/Unternehmen der Region und Profile
Ausführliche und konkretisierte Aussagen zu den Gegenständen und
Schlüsselaktivitäten der Institutionen und Unternehmen sind in der Anlage
dargestellt. Im Folgenden ist eine Aufzählung und Grobdarstellung der
Teilnehmer aufgeführt.
Wissenschaftliche Einrichtungen
Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen,
06484 Quedlinburg, Leiter Prof. Neumann
Hauptsitz ist Quedlinburg mit Instituten in Ahrensburg, Aschersleben,
Braunschweig, Dresden, Groß Lüsewitz, Grünbach, Quedlinburg und
Siebeldingen.
Mitarbeiter ca. 520
Arbeitsgebiete:
molekulargenetische Charakterisierung von Zierpflanzen
Gentransfersysteme für Gräser/ Gramineen
Genomsequenzierung bei Gerste
molekulargenetische Charakterisierung pflanzenpathogener Viren
speziesübergreifende Züchtung durch Zellfusion,
transgene Kulturpflanzen mit neuen Resistenzeigenschaften
transgene Kulturpflanzen mit veränderten Inhaltsstoffen
Stammsammlung pflanzenpathogener Organismen.
Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK)
06466 Gatersleben, Leitung Prof. Wobus.
WGL-Institut, Träger BMBF und Land Sachsen-Anhalt
Mitarbeiter ca. 350, Budget: ca. 45 Mio. DM
Arbeitsgebiete:
Genbank zur Sammlung, Erhaltung und Charakterisierung genetischer Ressourcen
der Kulturpflanzen
Molekulare Pflanzenphysiologie, Zytogenetik
Gen- und Genomsequenzierung bei Weizen und Gerste, Pflanzengenom-Ressourcen-
Centrum, Genbibliotheken
Markeranalyse bei Kulturpflanzen
Pflanzentransformation, neue Expressionssysteme, Gehaltssteigerung von
Vitaminen in gentechnisch veränderten Pflanzen, Expression von Antikörpern in
transgenen Pflanzen, neue Merkmale für Bakterien- und Pilzresistenz zahlreiche
lndustriekooperationen
Ausgründung der SunGene GmbH & COKG a.A., Minderheitsanteil des IPK
Ausgründung der Novoplant GmbH, Antikörperherstellung in Pflanzen
Institut für Pflanzenbiochemie (IPB)
06120 Halle, Leitung Prof. Scheel
WGL-Institut, Träger BMBF und Land Sachsen-Anhalt Mitarbeiter ca. 160,
Budget. ca. 22 Mio. DM
Arbeitsgebiete:
Pflanzenhormonforschung
Naturstoffchemie, Biosynthese von Pflanzeninhaltsstoffen, pflanzlicher
Sekundärstoffwechsel
Streß- und Entwicklungsbiologie der Pflanze, systemische und zelluläre
Signaltransduktion
zahlreiche lndustriekooperationen
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, 06120 Halle/S.
Institut für Biotechnologie
Institut für Biochemie
MPG-Arbeitsgruppe Molekulare Biochemie
Institut für Pflanzen- und Zellphysiologie
Institut für Pflanzenzüchtung und Pflanzenschutz (Hohenturm)
Institut für Acker- und Pflanzenbau
Fachhochschule Anhalt, 06366 Köthen
Lehr- und Forschungsgebiete: Biotechnologie, Biochemie, Mikrobiologie
Pflanzenbiotechnologie-Unternehmen
SunGene GmbH & CO.KG a.A., 06466 Gatersleben,
Pflanzenbiotechnologie, molekulare Pflanzengenetik, Mehrheits-Gesellschafter
BASF, Minderheitsanteile bei IPK, Prof. Sonnewald, Frau Dr. Herbers
I.G.S. Biotec GmbH, 06408 Biendorf
Pflanzenbiotechnologie
Tinplant Biotechnik und Pflanzenvermehrung GmbH, 39164 Klein Wanzleben,
Meristemkulturen von Schilfpflanzen, Forstgehölzen, schnellwachsende Gehölzen
Novoplant GmbH, 06466 Gatersleben,
Expression von Antikörpern in Pflanzen, Ausgründung des IPK, Dr. Conrad
In vitroplant GmbH, 06449 Aschersleben
lcon-Genetics GmbH, 06120 Halle
Saat- und Pflanzenzuchtunternehmen
APZ Anhaltinische Pflanzenzucht GmbH, 06406 Bernburg (KWS)
I.G. Saatzucht GmbH & Co. KG, 06408 Biendorf ( Vereinigung bayrischer
Saatzüchter )
ZKW, 39164 Klein Wanzleben (KWS)
Nordsaat Saatzuchtgesellschaft mbH Langenstein, 38895 Böhnshausen
(Saaten-Union)
PBI Saatzucht, 38855 Wernigerode
Quedlinburger Saatzucht GmbH, 06484 Quedlinburg
Quedlinburger Samen und Pflanzen GmbH, 06484 Quedlinburg
Saale Saaten GmbH, 06193 Wallwitz/ Halle
Saatzucht Bernburg GmbH, 06406 Bernburg
Saatzucht Breun, 06484 Quedlinburg
Saatzucht STRUBE KG, 38838 Schlanstedt (Saaten-Union)
Samenzucht P.J. Schmidt, 06484 Quedlinburg
Saatzucht Hadmersleben GmbH, 39398 Hadmersleben ( Semundo/
Svalöf Weibull )
Südwestdeutsche Saatzucht Dr. Hans-Rolf Späth, 06449 Aschersleben (
Saaten-Union )
Verarbeitende Industrie
Cerestar Deutschland GmbH, Werk Barby, 39249 Barby, Weizenstärke,
Glucosesirupe, Vitalkleber
Stärke AG Mitteldeutschland, 06526 Sangerhausen, Stärke und biologisch
abbaubare Kunststoffe, Markerbse
Zuckerfabrik Könnern ( Diamantzucker KG/ Pfeifer & Langen, Köln)
Zuckerfabrik Kleinwanzleben ( Nordzucker AG, Hannover, Braunschweig 39164
Klein Wanzleben
MAWEA Majoranwerk GmbH, 06449 Aschersleben
Zuckerfabriken Zeitz und Delitzsch ( Südzucker AG )
Kroppenstedter Ölmühle GmbH, 39397 Kroppenstedt
Henkel-Härtol GmbH, 39126 Magdeburg, technische Schmierstoffe aus
Pflanzenölen
VER-NA-RO GmbH, 39638 Gardelegen, Hanf- und Flachsverarbeitung
ELSA Euro-Lupin GmbH, 39576 Arneburg b. Stendal, Lupinenverarbeitung,
Alkaloide
Erzeugergemeinschaften und Organisation NAWAROS e.G. für pflanzliche
Produkte zur technischen Anwendung, 39129 Magdeburg
2.1.3. Bedarf an Rahmenbedingungen und Dienstleistungen
Der spezielle Bedarf der einzelnen Institutionen und Unternehmen ist aus den
spezifischen Unternehmensprofilen (Anlagen) erkennbar. Allgemein läßt sich
für die 4 Teilnehmergruppen (Forschungsinstitute, BioTech-companies,
Saatzüchter und Verarbeitungsindustrie)folgender allgemeingültiger Bedarf
darstellen:
-
Wissenschaftliche Institute widmen sich schwerpunktmäßig
grundlegenden Forschungsarbeiten, die ihrerseits zu hochwertigen Basispatent
führen können. Die Wissenschaftler und Forschungsgruppen brauchen Kenntnis,
welche Produkte und Verfahren die Industrie für interessant hält bzw.
benötigt. Hier sind Kontaktherstellungen, Vermittlungen, Vertrauen schaffen
und Moderation notwendig, was noch nicht im ausreichenden Maße stattfindet.
-
Technologie- und Produktentwicklungen (proof of concept ) erfolgen
demgegenüber in der Regel im industriellen Umfeld, hier insbesondere in den
neugegründeten Pflanzen-BioTech-companies. Firmengründungen
benötigen Ideen, Gründerpersönlichkeiten, Fachpersonal, neben
wissenschaftlichem auch betriebswirtschaftliches know-how und
Kapital. Bes. qualifizierte, risikobereite Gründerpersönlichkeiten sind
Mangelware. Die Zahl der venture capital-finanzierten
Biotechnologieunternehmen ist noch zu gering ist.
-
Die in der Region ansässigen Saatzüchter sind mehrheitlich
mittelständische Unternehmen. Sie weisen hohe züchterische Kompetenz und
die prinzipielle Flexibilität kleiner und mittlerer Unternehmen auf, stehen
jedoch aufgrund der größenbedingten finanziellen Restriktionen
langfristigen, risikobehafteten Forschungs- und Entwicklungsvorhaben
skeptisch gegenüber. Gleichzeitig besteht Handlungsbedarf in einem durch
Restrukturierung und technologischen Wandel gekennzeichnetem Umfeld.
-
Die in der Region ansässigen Unternehmen der Stärke- und
Zuckerindustrie sind sich zwar mehrheitlich der internationalen
Anforderungen und Spielregeln des laufenden Geschäftes bewußt, nicht
unbedingt jedoch auch des Potentials der Pflanzenbiotechnologie für ihr
zukünftiges regionales, nationales und internationales Geschäft. Auch hier
besteht initialer Informations- und Kommunikationsbedarf mit den
wissenschaftlichen Einrichtungen.
2.2. Darstellung des Angebots der Region
Die Börde ist traditionelles Bauernland. Hier liegen die wertvollsten Äcker
Deutschlands mit durchschnittlich 85 Bodenpunkten. Die Erträge im Getreide- und
Zuckerrübenanbau gehören bundesweit zu den Spitzenwerten. Die Höhenlage
zwischen 70 und 20om über NN im Regenschatten des Harzes gewährleisten ein
einzigartiges Mikroklima. Jahresmitteltemperaturen um 9'C und
Niederschlagsmengen um 500 inm führen zu einer klimatischen Einstufung der
Region als mitteldeutsches Trockengebiet. Der Zuckerrübenanbau galt nicht nur
als "Schule der deutschen Landwirtschaft", vielmehr führte die
Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte auch zu einer raschen
Industrialisierung (Zuckerfabriken, Maschinenbau, Landtechnik). Die
hervorragenden Bodenbeschaffenheit und das Mikroklima haben in der
geographisch-naturräumlich festgelegten Region Nordharz/Börde traditionell zur
Ansiedlung von Saatzucht- und Vermehrungsbetrieben geführt. Für Getreidesorten
und Zuckerrüben kann sich die Region Nordharz zu Recht als "Wiege der
deutschen Pflanzenzucht" bezeichnen.
Die Gründung des heutigen Instituts für Pflanzengenetik und
Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben im Jahr 1992 und die Einrichtung
des Hauptsitzes der Bundesanstalt für Züchtungsforschung (BAZ) in Quedlinburg
waren daher nur folgerichtig Die agrartechnischen Vorzüge der Region Nordharz
und der Magdeburger Börde erklären auch die Errichtung modernster
Verarbeitungsbetriebe für Zuckerrüben (Klein Wanzleben und Könnern) und
Weizenstärke (Barby) in der Region nach der Wiedervereinigung Deutschlands.
Die Region Nordharz/Börde verfügt somit insgesamt über
Infrastrukturvoraussetzungen zur kommerziellen Entwicklung und Nutzung der
Pflanzenbiotechnologie, die sich in dieser Dichte einzigartig sind:
Gatersleben (WGL-Institut)
Hinzu kommt benachbart zur Region Nordharz ein weiteres
pflanzenbiotechnologisches WGL-Institut sowie die Universität in Halle. Diese
spezifischen Vorgaben am Standort Sachsen-Anhalt führten auch zur Hervorhebung
der Pflanzenbiotechnologie im Rahmen des BioRegio-Antrages der Region
Halle-Leipzig im Jahr 1996 und zur Aufforderung seitens der Jury, die
Pflanzenbiotechnologie in der Region schwerpunktmäßg zu entwickeln. Ein
weiterer Pluspunkt für "grüne"Biotechnologie in der Region Nordharz/Börde
ist deren bereits historisch geprägte hohe Akzeptanz in der Bevölkerung.
Die Vernetzung der in der Region Nordharz/Börde angesiedelten
wissenschaftlichen Einrichtungen mit den Saatzuchtunternehmen, die ihrerseits
über einen unschätzbaren Fundus an Zuchtmaterial verfügen, dem
Verarbeitungs-know-how und den auf die internationalen Märkte ausgerichteten
Zielvorgaben der verarbeitenden Industrie sowie dem know-how der großen,
agrartechnisch bevorzugten landwirtschaftlichen Betriebe in der Region eröffnet
eine im Weltmaßstab wettbewerbsfähige Entwicklungsplattform für neue,
innovative Verfahren und Produkte.
2.3. Internationale Entwicklungstrends
Seit Anfang der 90er ist die Pflanzenschutzmittelindustrie, typischerweise
Teil der chemisch-pharmazeutischen Industrie, auf das Potential der Gentechnik
für die Geschäftsausweitung ihres bis dato stagnierenden
Pflanzenschutzmittelgeschäftes aufmerksam geworden und hat sich weniger durch
eigene Forschung als durch Zukauf bei den Biotechnologiefirmen Zugang zur
Technologie und zu Entwicklungsprodukten verschafft. Initiiert durch
Chemieunternehmen wie Monsanto und Dow Chemicals, die Ün Rahmen ihres
Pflanzenschutzmittelgeschäftes massiv in Pflanzen-biotechnologie investiert
haben, ist das Unternehmenskonzept der "life science companies"
entstanden- Pharma und agribusiness als Gegensatz zum klassischen
Chemiegeschäft mit organischen und anorganischen Massenprodukten. Zur
Realisierung der Entwicklungsergebnisse der molekularen Pflanzengenetik begannen
die Pflanzenschutzmittelhersteller, Saatzuchtunternehmen zu erwerben und sich
damit in eine Branche zu integrieren, die vordem als Zweig der Landwirtschaft
und ohne sonderliche Aura erachtet wurde. Weiche forschungsstrategischen
Veränderungen die molekulare Pflanzengenetik in den beteiligten Branchen
verursacht hat, hätte nicht besser zum Ausdruck gebracht werden können als
durch die Tatsache, daß Pioneer Hi-Bred, führendes Saatzuchtunternehmen
weltweit, 1995 einen Forschungsauftrag über 16 Mio. $ zur Sequenzierung des
Mais-Genoms an die amerikanische Biotechnologiefirma Human Genome Sciences
vergab.
Der Weltmarkt für Pflanzenschutzmittel beträgt ca. 32 Mrd. $, wovon die
Hälfte auf Herbizide, ein Viertel auf Insektizide, 20% auf Fungizide und der
Rest auf Nematozide etc. fällt. Biologische Pflanzenschutzmittel haben keine
nennenswerte Bedeutung. Das Pflanzenschutzmittelgeschäft ist oligopolistisch
strukturiert. 80% des Weltmarktes werden von 10 führenden Herstellern bedient.
Das geringe Marktwachstum bei gleichzeitig hohen Entwicklungsaufwendungen
führte zu einer Branchenrestrukturierung, in deren Verlauf Hoechst und Schering
ihre Pflanzenschutzmitteiaktivitäten 1994 in der AgrEvo zusammenschlossen. Die
beiden Baseler Firmen Ciba-Geigy und Sandoz fusionierten 1996 aufgrund des
Konzentrationsdruckes in der Pharmaindustrie zur Novartis, womit gleichzeitig
der weitgrößte Pflanzenschutzmittelhersteller, Novartis Crop Protection AG,
und der zweitgrößte Saatzüchter, Novartis Seed AG, entstanden. 1997 trennte
sich das Pharmaunternehmen Eli Lilly von seinem agrochemischen Geschäft und gab
es an seinen J.V.-Partner Dow Chemicals ab ( s. Tabelle "Führende
Pflanzenschutzmittelhersteller").
Die Aussicht, in dem stagnierenden Pflanzenschutzmittelmarkt durch Anwendung
der Pflanzenbiotechnologie Positionsverbesserungen zu erzielen, erklärt die
für das Marktvolumen und die Profitabilität der Branche unerwartet hohe
interne und externe F&E- Intensität. Die sich abzeichnenden Erfolge in der
Einführung von transgenen Kulturpflanzen in Nordamerika, Argentinien und
Brasilien haben der durch Übernahme und Fusion von
Pflanzenschutzmittelherstellern erfolgten Marktkonsolidierung weiteres Momentum
gegeben und zu einer regen Akquisitionstätigkeit der Unternehmen in die
Biotechnologie- und Saatzuchtbranche geführt. Zahlenmäßig führend im Erwerb
von biotech companies und Saatzüchtern ist Monsanto. Der umsatzmäßig größte
Einkauf in die Saatzuchtbranche erfolgte seitens DuPont, die im Rahmen eines
Aktientauschs das weltweit größte Saatzuchtunternehmen Pioneer Hi-Bred
erworben haben. Der höchste Preis für ein Pflanzenbiotechnologieunternehmen
wurde von AgrEvo für die niederländische Plant Genetic Systems bezahlt.
Im Gegensatz zur Pflanzenschutzmittelindustrie ist das weltweite Saat- und
Pflanzgutgeschäft extrem fragmentiert. Die 10 führenden Saatzuchtunternehmen
weltweit decken etwa 25 % des Gesamtmarktes in Höhe von ca. 30 Mrd. $ jährlich
ab, wobei allerding knapp die Hälfte dieses Betrages auf staatliche
Züchtungsstationen entfällt. Bedeutsam ist, daß sich die verbleibenden 25 %
des privatwirtschaftlichen Saat- und Pflanzgutgeschäftes auf über tausend
mittelständische Saatzüchter verteilen, was sowohl die regionale wie die
produkt- bzw. sortenbedingte Fragmentierung dieses Marktes zum Ausdruck bringt.
Daraus resultiert ferner, daß sich der Durchschnittsumsatz dieser kleinen
Züchter im einstelligen Millionenbereich bewegt, womit sich Forschung oder gar
high-tech- Forschung von vornherein verbieten. Unter dem aus den Auswirkungen
der Pflanzenbiotechnologie resultierenden Konzentrationsdruck ist mit weiteren
Strukturbereinigungen in der Saatzuchtbranche zu rechnen, die sich insbesondere
hinsichtlich der weltweit angebauten Kulturpflanzen Mais, Weizen, Sojabohne,
Ölsaaten
und Baumwolle zu einer echten Industrie wandeln dürfte. Gleichzeitig wird
Raum für eine Vielzahl von Spezialisten für die Bedienung von regionalen und
produktseitigen Nischen bleiben, die von den global agierenden Marktführern
nicht bedient werden können.
Unbeschadet der Tatsache, daß die Zahl der
Pflanzenbiotechnologie-Unternehmen ( ag- biotech companies, s. Tabelle ) im
Vergleich zu den Pharma-Biotechnologiegründungen vernachlässigbar gering ist,
haben auch im Bereich der Pflanzengenetik die Universitätsausgründungen (
"spin-offs" ) und V.C.-finanzierten Neugründungen ( "start- ups"
) einen, genauer gesagt den wesentlichen Beitrag zum Technologietransfer aus der
Wissenschaft in die Wirtschaft geleistet. International tätige Firmen wie
Novartis, Monsanto und Schering AG haben ihrerseits frühzeitig mit
pflanzengenetischer Forschung begonnen, es waren aber Firmen wie Calgene (
FlavrSavr R-Tomate Mycogen ( Bacillus thuringiensis-Sprühprodukte und
modifizierte Bt-Toxine und Plant Genetic Systems, die unter dem Erfolgsdruck des
Kapitalmarktes die kommerzielle Relevanz ihrer high-tech- Ansätze unter Beweis
stellen mußten ( "proof of concept" ). Daß diese Firmen ihrerseits
anschließend von der Industrie überno=en wurden und daß es die etablierte
Industrie ist, die die neuen Produkte zur Markteinführung und zum Durchbruch
bringt, ist eine Frage der finanziellen Ressourcen.
Die Akzeptanz der neuen Technologie, die über den Einfluß auf die Nahrung
und das Verständnis von Natur und Umwelt wesentlich mehr noch als gentechnisch
hergestellte Arzneimittel die Sensitivität des Verbrauchers trifft, variiert
erheblich nach ]Ländern und Kontinenten. Während in Nordamerika - USA und
Kanada - bereits ca. 1/3 der Anbaufläche für die wichtigsten Kulturpflanzen
Mais, Soja und Baumwolle mit trangenem Saatgut
bestellt wird, gilt in der EU und einzelnen Mitgliedsstaaten derzeit ein
akzeptanzbedingtes Moratorien mit Import- und Anbauverboten transgener
Kulturpflanzen, obwohl die europäische Gesetzgebung mit der
Freisetzungsrichtlinie für gentechnisch veränderte Organismen und den
Zulassungs- und Kennzeichnungsanforderungen an gentechnisch veränderte
Lebensmittel nach der Novel Food-Verordnung einen klaren rechtlichen Rahmen
gesetzt hat.
2. Stärken und Schwächen – Kurzanalyse
Die Stärken sind eindeutig die
vorhandenen Standortvoraussetzungen, die Potentiale der wissenschaftlichen
Einrichtungen und die hervorragenden Standortbedingungen für die
Saatzuchtbranche und die landwirtschaftliche Produktion (Boden, Klima), wie sie
unter Ziffern 1. und 2.1.2. dargestellt sind. Hinzu kommt eine historische
Präferenz die zu einer deutlich besseren Akzeptanz dieser Technologie in der
Region geführt hat, als das allgemein in Deutschland der Fall ist. Die
vorhandenen Saatzüchter als Mittelständler, die verarbeitende Industrie und
die sich seit den letzten 2 Jahren gründenden BioTech-companies am Standort
sind weitere Stärken. Nicht zuletzt ist es das Marktpotential, welches die
Pflanzenbiotechnologie künftig verspricht.
Die Schwächen sind aus dem unter Ziffer 2.1.3. dargestellten Bedarf
abzuleiten.
Eine Vielzahl von Standortvoraussetzungen garantiert allein noch keine
wirtschaftliche Umsetzung mit ihren vielfältigen direkten und indirekten
Auswirkungen auf den regionalen Arbeitsmarkt, das Bruttosozialprodukt, die
Kaufkraft und die Exportquote.
Wie für die Mehrzahl aller high-tech-Projekte gilt auch für die
Potentialnutzung der Pflanzenbiotechnologie in der Region Nordharz/Börde, daß
eine Reihe von Erfolgsfaktoren zusammenspielen müssen, um den Prozeß des
Technologietransfers zu ermöglichen.
-
Die im Sinne des Technologietransfers erforderlichen Erfolgskomponenten
sind sämtlich vorhanden, zur Umsetzung ist jedoch ein initialer Anschub
zur Überwindung von Wissenslücken, kommunikativer und konzeptioneller
Hürden notwendig. Die Umsatzreife des Projektes steht also nicht in
Frage, vielmehr ist das Zeitfenster zu beachten, das der Region bleibt, um
sich im intensiven internationalen Wettbewerb erfolgreich zu positionieren.
-
Wesentlicher Unterstützungsbedarf besteht in allen Fragen der
Marktberatung und Finanzierung, und dies sowohl für Gründer als auch
bestehende mittelständische Unternehmen. Finanzierung schließt dabei die
Eigenkapitalbeschaffung wie die Einwerbung von Zuschüssen ein, für die
inzwischen ein erfreulich großes Repertoire an Varianten besteht, mit der
die Mehrzahl der Akteure jedoch nicht vertraut ist.
-
An dieser Stelle soll auch nochmals darauf hingewiesen werden, dass die
Zahl der BioTech-Unternehmen, insbesondere die der venture capital-finanzierten
Biotechnologieunternehmen noch zu gering ist um eine eigendynamische
Entwicklung in Gang zu setzen.
Zusammengefaßt läßt sich also feststellen, daß die Nutzung dieser in der
Region Nordharz konzentrierten Faktoren für den Auf- und Ausbau von
Unternehmen, ihre Positionierung im internationalen Wettbewerb und die damit
verbundenen Arbeitsplatz- und Wertschöpfungseffekte nicht von selbst läuft.
Die Vernetzung und Kooperation der in der Region Nordharz/Börde
angesiedelten wissenschaftlichen Einrichtungen mit den Saatzuchtunternehmen, die
ihrerseits über einen unschätzbaren Fundus an Zuchtmaterial verfügen, dem
Verarbeitungs-know-how und den auf die internationalen Märkte ausgerichteten
Zielvorgaben der verarbeitenden Industrie sowie dem know-how der großen,
agrartechnisch bevorzugten landwirtschaftlichen Betriebe in der Region eröffnet
eine im Weltmaßstab wettbewerbsfähige Entwicklungsplattform für neue,
innovative Verfahren und Produkte.
Ziel des Vorhabens "Pflanzenbiotechnologienetzwerk Nordharz/Börde"
muß daher eine intensive Informationsunterstützung in der Region zur
Vernetzung bestehender Einheiten, insbesondere der hochrangigen
wissenschaftlichen Einrichtungen der Region mit den ortsansässigen Saatzucht-
und lndustrieunternehmen, die Öffnung des Blickfeldes für den internationalen
Markt und die Möglichkeiten und Erfordernisse zu regionalen, nationalen und
internationalen Kooperationen und Allianzen sein.
4. Begründung der Projektgruppe
Die Begründung der Projektgruppe resultiert
1. aus den Chancen, dem Nutzen und der Neuheit, die sich für die Region
beim Thema "wirtschaftliches Potential der Pflanzenbiotechnologie"
ergeben,
2. aus der Notwendigkeit, die bestehenden Potentiale zu vernetzen,
Projekte zu identifizieren und zu qualifizieren,
anders formuliert:
aus der Beseitigung der aufgezeigten Schwächen, bei denen die Projektgruppe
eine wichtige Rolle spielen kann
Die im Sinne des Technologietransfers erforderlichen Erfolgskomponenten sind
sämtlich vorhanden, zur Umsetzung ist jedoch ein initialer Anschub zur
Überwindung von Wissenslücken, kommunikativer und konzeptioneller Hürden
notwendig. Die Umsatzreife des Projektes steht also nicht in Frage, vielmehr ist
das Zeitfenster zu beachten, das der Region bleibt, um sich im intensiven
internationalen Wettbewerb erfolgreich zu positionieren.
Die Kommunikation und Kooperation der Firmen und wissenschaftlichen Institute
im Interesse der verbesserten wirtschaftlichen Nutzung muß durchgreifend
intensiviert werden. Die Umsetzung von Bereitschaft der Beteiligten in ein
tatsächlich operatives Geschehen erfordert anhaltendes Engagement der
Initiatoren und der von ihnen beauftragten fachspezifisch qualifizierten
Koordinatoren.
Nutzen und Neuheit des Vorhabens
Das Vorhaben "Pflanzenbiotechnologie Nordharz" eröffnet den
Beteiligten Firmen und Instituten unmittelbare Optionen für ihre Kerngeschäfte
bzw. Kernaktivitäten. Für die Region sind sowohl direkte wie indirekte
Beschäftigungsünpulse zu erwarten, wobei es sich bei den resultierenden neuen
Arbeitsplätzen durchweg um hochwertige und auf Dauer angelegte Positionen
handelt.
Neben den für die Unternehmen aus den initiierten Entwicklungsarbeiten
resultierenden direkten Erlösen - Produktumsätze mit Saatgut und
biotechnologische F&E-Dienstleistungen - sind die aus der
Internationalisierung der Ergebnisse zu erzielenden Lizenzeinkünfte zu
verzeichnen. Im Falle der wissenschaftlichen Institute kann das Vorhaben zu
einer wesentlichen Verbesserung der Verwertungseffizienz ftihren, da erst durch
die Zusammenarbeit mit Saatzüchtern und Biotechnologieunternehmen die für den
Lizenzerfolg von know-how und Schutzrechten entscheidenden Voraussetzungen -
proof of concept bzw. Kommerzialisierung - geschaffen werden.
Der für high-tech-Technologien typischen globalen Natur der
Pflanzenbiotechnologie entsprechend ist die Exportwirksamkeit des Vorhabens
besonders zu betonen. Die Region Nordharz hat damit die Chance, sich auch
international als wissenschaftlich-technologisches wie wirtschaftliches centre
of excellence in der modernen Pflanzenzüchtung zu qualifizieren.
Eine Quantifizierung des Umsatzpotentials, das sich die Region durch das
Vorhaben erschließt, ist nicht erforderlich, da die Ergebnisse weit über das
enge Geschäftsfeld Saatzucht hinausgehen und mit der Teilhabe an
Wertschöpfungspotentialen in der Pflanzenproduktion, der Verarbeitung der
landwirtschaftlichen Primärproduktion und der Entwicklung neuer industrieller
Zwischenprodukte aus pflanzlichen Rohstoffen auf faktisch unlimitierte
Marktvolumina zielen.
Nutzen
Der Nutzen des Vorhabens geht weit über die einzelbetrieblichen zu
erzielenden Ergebnisse hinaus. Es ist zu wünschen und auch zu erwarten, daß
das Projekt Pflanzenbiotechnologie Nordharz einen wesentlichen Beitrag zur
Stabilisierung und Ausrichtung der Saatzuchtbranche in der Region hat, die erst
durch die Vernetzungs- und Unterstützungsmaßnahmen einen adäquaten Zugang zur
Pflanzenbiotechnologie als Motor des Strukturwandels in dieser Branche erhält.
Desgleichen verspricht das Projekt eine wesentliche Erhöhung des Anteils an
kommerzialisierbaren Forschungsergebnissen der wissenschaftlichen Einrichtungen
und somit einen deutlich verbesserten direkten bzw. indirekten Rückfluß der
langjährigen Vorinvestitionen des Bundes und des Landes in diese Institutionen.
Neuheit
Die Vernetzungsintensität, die als Ergebnis des lnnoRegio-Vorhabens
angestrebt wird, hat in dieser Form keine Vorbilder in den life sclences. Sie
ist das Ergebnis einer Vielzahl von Sonderfaktoren, darunter die genannten
Standortvoraussetzungen in der Region, der aktuell durch die
Manzenbiotechnologie ausgelöste technologische Wandel, das noch weitgehend
unbesetzte und auf bahnbrechende F&E-Erfolge angewiesene Feld der output
traits und die strukturellen Besonderheiten der Saatzuchtbranche mit ihrem hohen
Anteil an mittelständischen Unternehmen. Ansatz und Thema sind somit
gleichermaßen neu und nicht nur für die beteiligten Branchen und Institute
hoch innovativ.
Präzisierung der Projektgruppe
Die RAHM-Initiative trug in der Anfangsphase auch mit dazu bei, dass sich die
Region Nordharz/Börde unter dem Titel "InnoRegio-Projekt
Pflanzenbiotechnologie Nordharz/Börde" am InnoRegio-Wettbewerb des BMBF
beteiligte. Dieses Vorhaben erreichte die Phase II des InnoRegio-Wettbewerbs,
d.h. wurde als eines der 25 von 444 Projekten prämiert.
RAHM-Projektgruppe und InnoRegio-Team sind nicht identisch (Antragsteller
InnoRegio ist GfW Aschersleben/Staßfurt). Organisatorisch und regional gibt es
klare Abgrenzungen. Mitglieder der Projektgruppe des RAHM-Vorhabens sind jedoch
inhaltlich in InnoRegio-Einzelprojekten involviert (meist als direkte
Einzelprojektträger). Vorrangig und in der Hauptsache laufen die Initiativen
und Einzelprojekte zum Thema Pflanzenbiotechnologie derzeit unter InnoRegio. Es
wäre abzuprüfen, inwieweit über RAHM insbesondere europäische Teilnehmer in
die Thematik mit einbezogen werden können.
5. Ansätze für Maßnahmen und Projekte
Zur Intensivierung der Kooperation und dem Aufbau bzw. der Vervollständigung
des Netzwerkes wurden folgenden unterstützende Maßnahmen, schwerpunktmäßig
unter InnoRegio eingeleitet.
Kontaktvermittlung in der Projektidentifikationsphase in Form von 2 workshops
(Vorhabensvorstellung, Aufforderung zur Erarbeitung von Einzel-Projektskizzen)
und
sparring bei der Projektevaluierung und Wirtschaftlichkeitsanalyse
Im Ergebnis dieser workshops wurden über 40 Einzelvorhaben als
Projektskizzen eingereicht, die sich zur Zeit in der Vorevaluierung und
Qualifizierung befinden.
In einer klare Struktur- und Zeitschiene werden diese Projekte, über die
Vertraulichkeit vereinbart wurde, bis zum 30.04.2000 qualifiziert. Dann erfolgt
eine Evaluierung um die Einzelprojekte als Bestandteil in den Vorhabens-Antrag
InnoRegio Phase II einfließen zu lassen, um sie bei positivem Votum durch die
Jury in Phase III einer Förderung zuzuführen.tti Magdeburg GmbH
Regionale Innovationstrategie RAHM
Thematisches Projektfeld: Pflanzenbiotechnologie
Projektgruppe:"Pflanzenbiotechnologie-Netzwerk Nordharz/Börde"
hier: Pflichtenheft zur Aufgabenstellung
entsprechend der vorgegebenen Gliederungspunkte
Sehr geehrter Herr Dr. Richter,
wie zugesagt, beiliegend die überarbeitete Ausarbeitung zum o.g. Thema.
Die RAHM-Initiative gab in der Anfangsphase auch mit den Anstoß, dass sich
die Region Nordharz/Börde unter dem Titel "InnoRegio-Projekt
Pflanzenbiotechnologie Nordharz/Börde" am InnoRegio-Wettbewerb des BMBF
beteiligte. Dieses Vorhaben erreichte die Phase II des InnoRegio-Wettbewerbs,
d.h. wurde als eines der 25 von 444 Projekten prämiert.
RAHM-Projektgruppe und InnoRegio-Team sind nicht identisch (Antragsteller
InnoRegio ist z.B. die GfW Aschersleben/Staßfurt). Natürlich gibt es jedoch
personelle und fachliche Überschneidungen, was ja zu begrüßen ist. Über 40
Einzelvorhaben wurden als InnoRegio-Projektskizzen eingereicht und befinden sich
zur Zeit in der Vorevaluierung und Qualifizierung mit der Zielstellung, diese
Projekte in Phase III InnoRegio einer Förderung zuzuführen. Diese Projekte
unterliegen der Vertraulichkeit und können demzufolge in der vorliegenden
Ausarbeitung nicht dargestellt werden.
Vorrangig und in der Hauptsache laufen somit die Initiativen und
Einzelprojekte zum Thema Pflanzenbiotechnologie derzeit unter InnoRegio. Es
wäre abzuprüfen, inwieweit über RAHM insbesondere europäische Teilnehmer in
die Thematik mit einbezogen werden können.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Uwe Schrader
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