Regionale Innovationsstrategie
Region Altmark - Harz - Magdeburg

Eine Region muss wissen, was sie will.
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tti Magdeburg

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Ihr Ansprechpartner:

Dr. Hansjürgen Richter
tti Magdeburg GmbH
Bruno-Wille-Straße 9

D-39108 Magdeburg

Tel. : +49 (0) 391 / 7 44 3 5 20
FAX : +49 (0) 391 / 7 44 3 5 11

E-Mail :

RAHMpost@tti-md.de

 

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Begründung der Projektgruppe "Nachwachsende Rohstoffe" im Thematischen Projektfeld "Innovative Umwelttechnologien"

Projektkoordinator:  

tti Magdeburg GmbH
Bruno-Wille-Straße 9

39108 Magdeburg

 

Vertragspartner:

Bearbeiter: Dr. Frank Pudel
Pilot Pflanzenöltechnlogie Magdeburg e.V.
Berliner Chaussee 66, 39114 Magdeburg

 

Inhalt:

1.   Darstellung des Wissensstandes

1.1 Übersicht über relevante Materialien ab 1997

1.2.Technologische Schwerpunkte

2. Analyse der Bedarfes und des Angebotes

2.1 Darstellung des Bedarfes

2.2 Darstellung des Angebotes

2.3 Darstellung des internationalen Entwicklungstrends 

3. Stärken und Schwächen 

          3.1 Stärken und Schwächen bei der Korrelation Bedarf-Angebot 

          3.2 Vorschläge für weiterführende Untersuchungen 

          3.3 Darstellung der Untersuchungsergebnisse

4. Begründung der Projekte

          4.1 Innovationspotential 

          4.2 Markenpotential 

          4.3 Arbeitskräftepotential 

          4.4 Beitrag zur Außenwirkung der Region 

Projektblätter 

Darstellung des Wissensstandes

1. Übersicht über relevante Materialien ab 1997

                 Regionale Entwicklungskonzepte (REK), Aktionspläne (RAP) und Innovationsstrategien (RIS)

                       /1/ Regionales Entwicklungskonzept Harz (LSA), Hrg. Regionalverband Harz e.V., Quedlinburg 1997

                       /2/ Reginonales Aktionsprogramm Harz, Hrg. Regionalverband Harz e.V., Quedlinburg 1998

                       /3/ Regionales Aktionsprogramm Altmark, Salzwedel/Stendal 1997

                        Regionales Entwicklungskonzept Regionalkonferenz Magdeburg

                  InnoRegio-Konzepte

                  Die folgende Auswahl an InnoRegio-Konzepten beinhaltet im wesentlichen diejenigen, die nominiert bzw. ausgewählt wurden. Eine vollständige Liste aller zum                   Themenfeld                    

                  Nachwachsende Rohstoffe beantragten Konzepte ist derzeit nicht verfügbar.

                         InnoRegio-Konzept "Innovationspotential Börde (Rephyna)", 1999

                         /4/ InnoRegio-Konzept "Pflanzenbiotechnologie Nordharz/Börde", 1999

                         /5/ InnoRegio-Konzept "Innovationsnetzwerk Altmark (NinA)", 1999

                         /6/ InnoRegio-Konzept "RegINa", 1999

                          InnoRegio-Konzept "Die Pflanze als Wirtschaftsfaktor", 1999

                          InnoRegio-Konzept "Holz-Solar-Innovationen Erzgebirge", 1999

                          InnoRegio-Konzept "Regionales Netzwerk Biopolymere", 1999

                          InnoRegio-Konzept "Neue Pflanzenfabriken in Westsachsen", 1999

      Studien, Untersuchungen, Projekte

      Die Literatur zum Gebiet Nachwachsende Rohstoffe ist äußerst umfangreich und wächst ständig, weshalb im folgenden nur ausgewählte Titel angegeben werden.

      /7/ Marktanalyse für nachwachsende Rohstoffe in Deutschland und Europa und Ableitung von andlungsempfehlungen für die Landesregierung, Studie i.A. des Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie des Landes Brandenburg, Berlin 1998

      /8/ Pflanzenbiotechnologie – wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten für Sachsen-Anhalt, Studie i. A. des Ministeriums für Wirtschaft und Technologie des Landes Sachsen-Anhalt, Magdeburg 1999

      /9/ U. Bomme, Freising-Weihenstephan, Situation und Zukunftsperspektiven des Feldanbaues von Heil- und Gewürzpflanzen in Deutschland, erschienen in: Zeitschrift für Arznei- & Gewürzpflanzen 1998; 3:155-161, Stuttgard

                          /10/ R. Neubert, Analytische und galenische Standardisierung von Phytopharmaka, Vortrag anläßlich der NAROSSA 99, Magdeburg 1999

                       /11/ J. Lörcks, Biokunststoffe auf Stärkebasis, Vortrag anläßlich der NAROSSA 99, Magdeburg 1999

                    /12/ G. Mustroph, W. Witek, Eine Klasse neuer biologisch abbaubarer Kunststoffe auf der Basis von Stärke und Pflanzenölen – Syntheseverfahren / Verarbeitungseigenschaften,                             Vortrag anläßlich der NAROSSA 99, Magdeburg 1999

                    /13/ K. Drescher, C-H. Hanf, Anbau, Ernte und Aufbereitung sowie Verwendung von Hanf und Zusammenfassende Beurteilung der Zukunftschancen von Hanf und                              Hanfprodukten, Kiel 1999

                           /14/ C.A.R.M.E.N. (Hg.), Biologisch abbaubare Werkstoffe - Leitfaden & Produktkatalog, Würzburg 1998

                     /15/ R. Schmidt, Waldpolitik und nachhaltige Entwicklung, Studie i. A. der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn 1997

                    /16/ Holzenergie für Kommunen – Ein Leitfaden für Initiatoren, Hrg. Forstabsatzfonds, Bonn 1998

                     /17/ Faserpflanzen, Bericht des Bundes und der Länder, Hrg. durch BML, Bonn 1998

                     /18/ Potenziale regenerativer Energien im Land Sachsen-Anhalt, Energieagentur Sachsen-Anhalt GmbH, Magdeburg 2000

               Remmele, E. / Widmann, B., Wachs, B., Umweltverträglichkeit von Hydraulikölen auf Rapsölbasis beim Einsatz in mobilen Aggregaten sowie Möglichkeiten der                       Wiederverwendung, Verwertung und Entsorgung. Abschlußbericht, Freising 1997
                            Nachwachsende Rohstoffe - Pflanzliche Öle und andere Kraftstoffe aus Pflanzen. Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB), TAB-Arbeitsbericht Nr.                             53, Monitoring Nachwachsende Rohstoffe. Verbrennung von Biomasse zur Wärme- und Stromgewin-nung. Erster Sachstandsbericht,), Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim                             Deutschen Bundestag, TAB-Arbeitsbericht Nr. 41, 1997

      Biologisch abbaubare Polymere. Status und Perspektiven, Franz-Patat-Zentrum (Hrsg.), Braun-schweig 1997

      Pflanzenölbasierte Ester - neue Wege in der Oberflächenreinigung, Kooperationsstelle Hamburg (Hrsg.), Hamburg 1997
      Nachwachsende Rohstoffe und Sanfte Chemie. Theoretische Grundlagen, Chancen und Perspek-tiven für Österreich, Wien 1997
      Energy Policies of IEA Countries, International Energy Agency, 1997
      Wolfensberger, Ulrich / Dinkel, Fredy, Beurteilung nachwachsender Rohstoffe in der Schweiz in den Jahren 1993-1996, im Auftrag des Bundesamtes für Landwirtschaft, Bern 1997

      Eine vollständige Liste der durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (Projektträger der Bundeslandwirtschaftsministeriums) geförderten FuE-Projekte kann über folgende Internet-Adresse abgerufen werden: www.dainet.de/fnr.

      Projektlisten sowie Zusammenfassungen abgeschlossener Projekte, die über die EU-Programme ECLAIR, AIR und FAIR gefördert wurden, sind unter folgender Internet-Adresse verfügbar: www.nf-2000.org.

      Weitere wichtige Websites mit vielfältigen Informationen zum Fachgebiet Nachwachsende Rohstoffe sind: www.inaro.de und www.carmen-ev.de.

       

  1. Technologische Schwerpunkte
  2. Als nachwachsende Rohstoffe werden Land- und Forstwirtschaftsprodukte vorwiegend pflanzlicher aber auch tierischer Herkunft bezeichnet, die weder in der menschlichen noch in der Tierernährung Verwendung finden. Sie werden üblicherweise in die Produktlinien Pflanzenöle, Stärke, Proteine, Fasern, Holz/Cellulose, besondere Inhaltsstoffe und Energiepflanzen eingeteilt. Jede Produktlinie erstreckt sich von der Pflanzenzüchtung über Anbau, Verarbeitung, Verwertung bis zur Entsorgung. Bei der Verwertung unterscheidet man insbesondere die energetische und die stoffliche Verwertung.

    Sachsen-Anhalt und speziell die zu behandelnde Region Altmark-Harz-Magdeburg bieten hervorragende Bedingungen für den Anbau einer Vielzahl als nachwachsende Rohstoffe verwendbarer Kulturpflanzen. Im Pro-Kopf-Aufkommen ist Sachsen-Anhalt führend im Anbau nachwachsender Rohstoffe in der Bundesrepublik Deutschland. Deren Weiterverarbeitung geschieht jedoch vorwiegend außerhalb. Die Region ist also Rohstoffexporteur und Endproduktimporteur, und damit von der eigentlichen Wertschöpfung abgeschnitten. Eine deutliche Verbesserung dieser Situation ist möglich, wenn Strategien entwickelt werden, die auf den Aufbau durchgängiger Wertschöpfungsketten in geeigneten Technologiefeldern abzielen. Im folgenden werden diejenigen Technologiefelder benannt, für die es nach Meinung des Autors die größten Chancen in der Region gibt.

    Pflanzenbiotechnologie

    Sachsen-Anhalt verfügt über strukturelle Voraussetzungen zur Entwicklung und Nutzung der Pflanzenbiotechnologie in einer Dichte wie in keinem anderen Bundesland /1,2,4/. Diese Firmen und Einrichtungen sind insbesondere in der Börde und im Harz angesiedelt. Mit Hilfe züchterischer oder gentechnischer Methoden sind maßgeschneiderte nachwachsende Rohstoffe hinsichtlich bestimmter Inhaltsstoffe möglich und weitere Ertragssteigerungen zu erwarten. Biotechnologische Methoden zur Rohstoffkonversion sind Verfahrenstechniken mit hohem Zukunftspotential. Somit ist die Pflanzenbiotechnologie Wegbereiter für innovative Produktentwicklungen.

    Verwertung von Hanf

    Die Region ist seit 1998 bundesweit führend im Anbau von Hanf und besitzt mit der Fa. VERNARO GmbH in Gardelegen die bedeutendste Verarbeitungskapazität zur Erzeugung von Hanffasern /3,5/.

     

     

    Sachsen-Anhalt

    BRD

     

    ha

    ha

    1996

    98

    1.423

    1997

    148

    2.869

    1998

    816

    3.575

    Tab. 1: Hanfanbau /17/

    Die Weiterverarbeitung innerhalb der Region ist bislang unterentwickelt. Markt-potentiale bestehen vor allem für Faserverbundwerkstoffe (z.B. Automobil-zulieferteile), Bau- und Dämmstoffe sowie Industrietextilien (z.B. Filtermaterialien).

    Verwertung pflanzlicher Inhaltsstoffe

    Sachsen-Anhalt ist traditionelles Anbaugebiet für Heil- und Gewürzpflanzen und nimmt derzeit die dritte Stelle im Vergleich der Bundesländer nach Thüringen und Bayern ein. In Bernburg hat der Deutsche Fachausschuß für Arznei-, Gewürz- und Aromapflanzen seinen Sitz.

     

    Jahr

    Sachsen-Anhalt

    BRD

     

    ha

    ha

    1997

    732

    5.366

    1998

    719

    5.637

    Tab. 2: Anbau von Heil- und Gewürzpflanzen (Quelle: Statistisches Bundesamt)

    Als außerordentlich chancenreich ist der Markt für Phytopharmaka, Diätetika und Nahrungsergänzungsmittel anzusehen. Daneben gibt es eine Reihe von Nischen für diverse chemisch-technische Produkte (z.B. Gerbstoffe auf Basis Rhabarber).

    Biologisch abbaubare Werkstoffe (BAW)

    Die Region verfügt über eine in den letzten Jahren entstandene Infrastruktur aus Entwicklern, Produzenten und Verarbeitern von BAW, Endproduktherstellern, Prüfeinrichtungen und Werkzeugbauern. Von diesen werden gemeinsame Anstrengungen unternommen, um Produkte aus BAW für Anwendungen im Automobilbau, im Garten- und Landschaftsbau sowie in Verpackungen und Einwegartikeln zu entwickeln und am Markt zu plazieren.

    Pflanzenöltechnologie

    In der Region sind Maschinen- und Anlagenbauunternehmen in einer bundesweit einzigartigen Konzentration vertreten /6/. Von vier in der Bundesrepublik Deutschland ansässigen Lieferanten von Anlagen zur Gewinnung und Verarbeitung von pflanzlichen Ölen und Fetten (Ölmühlen, Raffinerien, Margarinelinien, Biodieselanlagen) befinden sich allein zwei in Magdeburg, das sind die Fa. Cimbria SKET GmbH und ÖHMI Engineering GmbH. Hinzu kommen Lieferanten von Ausrüstungen zur Margarineherstellung (Fa. Sondermaschinenbau Magdeburg GmbH) und von pflanzenöltauglichen Motoren (Fa. AMS Schönebeck GmbH).

    Verwertung von Holz

    In der Region befinden sich 260.413 ha Waldfläche, das sind 22 % der Gesamtfläche. Durchschnittlich werden in der Bundesrepublik Deutschland nur etwa 2/3 des jährlichen Zuwachses genutzt. Gute Verwertungsmöglichkeiten für den derzeit ungenutzten Anteil bestehen in der Herstellung von Zellstoff (z.B. durch das geplante Zellstoffwerk in Arneburg /3/), von Span-, Faser- und Holzwerkstoffplatten (z.B. Fa. Varioboard Platten GmbH Magdeburg), für weitere Anwendungen im Baubereich, aber auch für Nischenprodukte, wie Holzbestecke (z.B. Fa. Holzspecht GmbH Calvörde).

    Energetische Nutzung von Biomasse

    Die energetische Nutzung von Biomasse in der Region ist unterentwickelt (in Sachsen-Anhalt wurden 1997 nur etwa 0,35 % des Gesamtenergiebedarfes durch Biomasse genutzt), obwohl sowohl potentielle Energieträger, wie z.B. Holz, Stroh oder Pflanzenöl, als auch know how (z.B. Bioenergiepark Iden) in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen.

  3. Analyse des Bedarfes und des Angebotes

              2.1.  Darstellung des Bedarfs

Unternehmen

Die folgenden Angaben sind geschätzt.

Branche

Unternehmen

Verteilung über die Region

Landwirtschaft (Quelle: Statist. Landesamt)
< 100 ha Fläche

> 100 ha Fläche

1.935

1.278

Schwerpunkt: Börde

Erste Verarbeitungsstufe

5

Schwerpunkt: Börde / Altmark

Biotechnologie, Saatgut

ca. 10

Schwerpunkt: Harz/Börde

Automobilzulieferer

ca. 5 – 10

keine regionale Konzentration

Baustoffindustrie

ca. 50

keine regionale Konzentration

Kunststoffherstellung, -verarbeitung und –anwendung

ca. 10

keine regionale Konzentration

Heilmittel und Nahrungsergänzungsmittel

ca. 10

Schwerpunkt: Börde / Harz

Maschinen- und Anlagenbau auf dem Gebiet Pflanzenöltechnologie incl. Zulieferer

ca. 20

Schwerpunkt: Magdeburg

Energiedienstleister

ca. 10

keine regionale Konzentration

Tab. 3: Unternehmensstruktur

Marktpotentiale

Bei der Charakterisierung der Marktpotentiale für die benannten Technologiefelder sind folgende Punkte zu berücksichtigen.

  1. sind diese Märkte z.T. erst im Entstehen bzw. noch zu schaffen.
  2. handelt es sich in den seltensten Fällen um überschaubare regionale, sondern fast immer um internationale bzw. globale Märkte, die zu bedienen sind.
  3. Das macht die Quantifizierung von Potentialen außerordentlich schwierig.

  4. sind landwirtschaftliche Erzeugnisse in den meisten Ländern der Erde wesentlich preiswerter zu produzieren als in der Bundesrepublik Deutschland.

Es ist deshalb zu vermuten, daß (nach einer gewissen Einführungsphase) die internationale Nachfrage nach Produkten tendentiell sinken, die nach know-how und Technologien aber steigen wird.

Pflanzenbiotechnologie

Der Weltmarkt für Pflanzenschutzmittel und Saatgut beträgt ca. 30 Mrd. US $. Dahinter stehen aber die Märkte für Agrarprodukte (ca. 300 Mrd. US $), Fertigarzneimittel (ca. 300 Mrd. US $) und Nahrungsmittel (ca. 3.000 Mrd. US $), an denen die Pflanzenbiotechnologie partizipieren kann /8/.

Verwertung von Hanf

Wegen der relativen Neuartigkeit des Anbaus und der Verwertung von Hanf und der noch ungünstigen Kostensituation gegenüber Konkurrenzprodukten (z.B. Flachs) sind quantitative Prognosen schwer aufzustellen. Dies betrifft vor allem die Märkte für Hanfölprodukte, Textilien und Papier. Für die Verwendung von Hanffasern im Baustoff- und Automobilsektor werden Potentiale (für die Bundesrepublik Deutschland) wie folgt abgeschätzt /13/.

 

Produktgruppe

Bedarf

Hanf

 

1.000 t

1.000 t

Faserzement

30

3

Bitumen, Mörtel

10

1

Isolierstoffe

20

2

sonstige Baustoffe

5

0,5

Stoßstangen, Schallisolierungen

5

0,5

tragende Elemente

10

1

Verkleidungen

15

1,5

Bremsbeläge

1,5

0,15

Sitzbezüge

7,5

0,75

sonstige Automobilteile

7,5

0,75

Tab. 4: Abschätzung des Potentials für Hanffasern im technischen Bereich /13/

Dabei wird davon ausgegangen, daß innerhalb der nächsten 10 Jahre ca. 10 % dieser Anwendungen durch Hanffasern gedeckt werden.

Verwertung pflanzlicher Inhaltsstoffe

Trotz zunehmender Anbaufläche wird der (wachsende) Bedarf an Heil- und Gewürzpflanzen in der Bundesrepublik Deutschland zum überwiegenden Anteil aus Importen gedeckt. 1997 sind 343.000 t Drogen und Säfte mit einem Grenzübergangswert von ca. 782 Mio. DM importiert worden. Allein aus Importablösung einzelner Kulturen wäre eine Erweiterung der Anbauflächen um über 30.000 ha möglich, was etwa dem 5fachen der bestehenden Anbaufläche entspricht /9/. Realistisch erscheinen ca. 10.000 bis 15.000 ha /7/.

Der Markt für Produkte auf der Basis von Heil- und Gewürzpflanzen ist auf einem hohen Niveau sehr dynamisch. 1997 wurden ca. 9 Mrd. DM für Selbstmedikation bei einem gesamten Arzneimittelmarkt von 50,3 Mrd. DM ausgegeben /9/.

 

Region

1994

1997

2000

 

Mrd. US $

Mrd. US $

Mrd. US $

Europa

6,0

7,2

8,5

Asien

2,7

3,0

4,0

Japan

1,8

2,5

2,5

Nordamerika

1,5

3,0

6,0

Rest der Welt

0,5

0,8

1,0

gesamt

12,5

16,5

22,0

Tab. 5: Internationaler Markt für Phytopharmaka /10/

Biologisch abbaubare Werkstoffe (BAW)

Weltweit werden ca. 110 Mio. t Kunststoffe, in Deutschland etwa 7 Mio. t jährlich verwendet, davon ca. 1,4 Mio. t für kurzlebige Verpackungen.

Zu den Potentialen biologisch abbaubarer Werkstoffe sind eine Reihe verschiedener Studien veröffentlicht worden, die zu unterschiedlichen Aussagen zur Marktgröße kommen, sich aber prinzipiell darin gleichen, daß ein in den kommenden Jahren stark wachsender Markt prognostiziert wird.

 

Jahr

Menge

 

Jahr

Menge

 

Jahr

Menge

 

1.000 t

   

1.000 t

   

1.000 t

1997

3,3

 

1997

10

 

1997

 

1998

5,0

 

1998

   

1998

 

1999

7,2

 

1999

   

1999

 

2000

10,1

 

2000

25

 

2000

145

2001

13,2

 

2001

   

2001

 

2002

16,4

 

2002

   

2002

 

2003

19,9

 

2003

55

 

2003

 

2004

24,1

 

2004

   

2004

 

2005

   

2005

   

2005

275

2006

   

2006

115

 

2006

 

Tab. 6: BAW-Markt in der EU Tab. 7: BAW-Markt in Nord- Tab. 8: BAW-Markt in der EU

nach Frost & Sullivan /11/ amerika u. EU nach nach Hakola /12/

MarTech /11/

Nach /14/ sollen 1997 in Europa ca. 12.000 t BAW eingesetzt worden sein, was einem Warenwert von etwa 100 Mio. DM entspricht.

Potentielle Produkte sind Einwegartikel und Verpackungsmaterialien, Erzeugnisse für den Garten- und Landschaftsbau, Automobilzulieferteile (auch als Faserverbund-werkstoffe) und Bestattungsartikel /6/.

Pflanzenöltechnologie

Der jährliche Investitionsumfang in der Pflanzenölindustrie beträgt ca. 600 Mio. DM weltweit, bei einer Wachstumsrate von 2-3 %. Davon werden nur etwa 4 % in Deutschland realisiert. Die größten Wachstumsmärkte befinden sich in Südostasien (Malaysia, Philippinen, Indonesien) /6/.

Verwertung von Holz

Wald hat eine durchschnittliche jährliche Zuwachsrate von 5 bis 6 Fm/ha. Davon werden schätzungsweise 1 bis 2 Fm nicht genutzt. Bei einer in der Region vorhandenen Waldfläche in Höhe von ca. 260.000 ha ergibt sich somit ein zusätzlich nutzbares Potential von etwa 0,5 Mio. Fm/a. Für die energetische Nutzung ist dieses Potential sogar noch größer, da ungenutzte Baumteile ebenfalls verbrannt werden können /16/.

Hauptnutzungsform von Holz ist die Produktion von Zellstoff. Gegenwärtig werden in der Bundesrepublik Deutschland ca. 650.000 t/a (Sulfit-) Zellstoff hergestellt, dem ca. 3,7 Mio. t/a (Sulfat-) Zellstoff-Importe gegenüber stehen. Da mittlerweile die Sulfat-Technologie so weit entwickelt ist, daß auch Anlagen in Deutschland genehmigungsfähig sind, besteht ein enormes (Importsubstitutions-) Potential für Zellstoffabrikationen /7/.

Ferner ist bereits abzusehen, daß sich Holz als Baumaterial wieder stärker durchsetzen wird. So erhöhte sich beispielsweise der Anteil von Holzhäusern an den neu errichteten Ein­ und Zweifamilienhäusern in Bayern seit 1990 von 0,5 auf 3 Prozent /15/.

Schließlich ist Holz ein vor allem in ländlichen Gebieten gut nutzbarer Energielieferant. Nicht einmal 1 % des Primärenergiebedarfs in der Bundesrepublik Deutschland wird gegenwärtig durch Holz abgedeckt. In Finnland und Schweden liegt dieser Anteil bei über 15 Prozent, in Österreich bei rund 10 % /15/.

Energetische Nutzung von Biomasse

Die energetische Nutzung von Biomasse (in Form von Holz, Stroh, Biogas oder Pflanzenöl bzw. Biodiesel) wird durch die Verfügbarkeit der Biomasse selbst, aber auch durch die im wesentlichen abgeschlossene Modernisierung von Heizungen sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich begrenzt. Trotz allem bestehen enorme Potentiale vor allem im landwirtschaftlichen Bereich /18/.

Beispielsweise könnten bei dem unterstellten nutzbaren Potential an Holz von 0,5 Mio. Fm/a ca. 2,15 Mio. kWh Wärmeenergie erzeugt werden, was einem Heizöläquivalent von 200.000 t enspricht /16/.

Vorgesehene Schlüsselaktivitäten der Unternehmen

 

  • Entwicklung marktfähiger Produkte und Verfahren in Kooperationsnetzwerken
  • Aufbau geeigneter Vermarktungsstrukturen in den Zielmärkten im In- und Ausland
  • Durchführung von Investitionen und Ansiedlung von Zulieferern und Weiterverarbeitern im unmittelbaren Umfeld

Gegenstand der Innovationen in den Unternehmen

Hauptgegenstand von Innovationen ist die Entwicklung neuer Produkte und Verfahren. Dabei werden im allgemeinen

  • die Umweltvorteile nachwachsender Rohstoffe (z.B. biologische Abbaubarkeit, annähernde CO2-Neutralität),
  • die in der Pflanze enthaltenen Synthesevorleistungen der Natur (z.B. spezielle Inhaltsstoffe, die chemisch nicht oder nur aufwendig synthetisierbar sind) sowie
  • neueste biotechnologische Verfahren in Pflanzenzüchtung (Gentechnik) und Rohstoffkonversion (z.B. Einsatz von Enzymen)

genutzt, um

  • herkömmliche Produkte dort zu substituieren, wo wesentliche Umweltvorteile zu erzielen sind (z.B. Ersatz von formaldehydhaltigen Bindemitteln in Spanplatten durch Naturharze oder Ersatz von Gerbstoffen für Lederausstattungen auf Chrombasis durch Rharbarberextrakte /5/),
  • herkömmliche Produkte wegen zusätzlich verbesserter Gebrauchseigenschaften zu substituieren (z.B. hanffaserverstärkte Leichtbauteile, wie Automobilverkleidungen oder Windgeneratorflügel /5/),
  • völlig neuartige Produkte zu entwickeln (z.B. Phytopharmaka mit besonderen Wirkstoffkomponenten).

Eine weitere Zielsetzung ist die Entwicklung von Produkten und Technologien zur

  • Verwertung anfallender Reststoffe (z.B. Platten aus Hanfschäben, die in einer Größenordnung von etwa 60 % bei der Hanffaserproduktion anfallen /5/ oder Pflanztöpfe aus einem biologisch abbaubaren Kunststoff, der zu 50 % Extraktionsschrote enthält, die bei der Gewinnung von Pflanzenölen anfallen /6/),
  • Verminderung oder Vermeidung von Hilfsstoffen (z.B. die Verfahren ÖHMI
    bleach® und ÖHMI filtration® zur drastischen Senkung des Einsatzes sog. Bleicherde in der Pflanzenölindustrie /6/).

Darüberhinaus sind die Unternehmen mit der Entwicklung dem jeweiligen Markt angepaßter Unternehmens- und Vertriebsstrukturen befaßt. Folgende Schwerpunkte sind zu nennen:

  • Bildung von Netzwerken auf den Gebieten Forschung und Entwicklung, Beschaffung und Vermarktung sowie Aus- und Weiterbildung bis hin zu virtuellen Unternehmen,
  • spin-offs, d.h. Ausgründungen aus FuE-Einrichtungen (z.B. Fa. Sungene GmbH Gatersleben, Supol GmbH Magdeburg),
  • Ansiedlung von Zulieferern oder Weiterverarbeitern im unmittelbaren Unternehmensumfeld (z.B. Fa. AdTech Ltd. Gardelegen).

Bedarf an Innovationen fördernden Dienstleistern

Die Entwicklung neuer Produkte und Verfahren aus nachwachsenden Rohstoffen ist wegen der notwendigen Berücksichtigung der (schwankenden) Eigenschaften komplex zusammengesetzter Naturstoffe, die teilweise nicht oder nur ungenügend bekannt sind, sowie diverser technischer, wirtschaftlicher und politischer Zusammenhänge gewöhnlich eine schwierig zu lösende Aufgabe. Hinzu kommt, daß aufnahmefähige Märkte meist erst geschaffen werden müssen. Daraus begründet sich ein hoher Bedarf an

  • Forschungs- und Entwicklungsdienstleistern sowohl aus dem Bereich der Grundlagen- als auch der angewandten Forschung,
  • Labor- und Prüfdienstleistern,
  • Vermarktungdienstleistern,
  • Finanzdienstleistern sowie
  • spezialisierten Bildungsträgern sowohl in der Berufs- als auch der akademischen Ausbildung,

der perspektivisch mit steigender Bedeutung nachwachsender Rohstoffe sogar noch zunehmen wird.

Bedarf an Rahmenbedingungen / Förderprogrammen für Innovationen / Finanzierungsinstrumenten

Unternehmen auf dem Gebiet nachwachsender Rohstoffe benötigen

  • verläßliche politische Rahmenbedingungen (z.B. langfristige Aussagen zur Stillegung landwirtschaftlicher Flächen oder Steuervorteilen für bestimmte Produkte),
  • Zuwendungen zu Forschung und Entwicklung,
  • aktive Unterstützung von Vermarktungsaktivitäten (z.B. durch Förderprogramme oder Positivlisten bei Beschaffungen durch die öffentliche Hand),
  • Risikokapital, Bürgschaften und stille Beteiligungen für Investitionen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2.2. Darstellung des Angebotes

Forschungs- und Entwicklungsressourcen

Die Region verfügt über die folgenden spezifischen FuE-Kapazitäten.

Institution

Standort

Profil mit Bezug zum Thema

Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen

Quedlinburg

Pflanzenzüchtung

FH Anhalt

Bernburg

Anbau, Verfahrensentwicklung

FH Magdeburg

Magdeburg

Industriedesign

Fraunhofer Institut Fabrikbetrieb und –automatisierung (IFF)

Magdeburg

Innovationsmanagement

Institut für Lacke und Farben e.V. (ILF)

Magdeburg

Produkt- und Verfahrensentwicklung, Analytik und Methodenentwicklung

Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK)

Gatersleben

Pflanzenzüchtung

LUS GmbH

Magdeburg

Analytik und Methodenentwicklung

Max-Planck-Institut für Verfahrenstechnik

Magdeburg

Verfahrensentwicklung (Grundlagen)

ÖHMI Engineering GmbH

Magdeburg

Verfahrensentwicklung

ÖHMI Analytik GmbH

Magdeburg

Analytik und Methodenentwicklung

Otto-von-Guericke-Universität

Magdeburg

Verfahrensentwicklung, Fertigungstechnik

Pilot Pflanzenöltechnologie Magdeburg e.V. (PPM)

Magdeburg

Produkt- u. Verfahrensentwicklung

Tab. 9: FuE-Ressourcen

Die angegebenen Einrichtungen sind zumeist modern ausgestattet, verfügen über spezielles know how und sind (in unterschiedlichem Maße) international beachtet und anerkannt. Mangelhaft ist die Vernetzung dieser Einrichtungen untereinander und mit der Wirtschaft. Es gibt keine strategischen Zielsetzungen und damit einen unterentwickelten arbeitsteiligen Innovationsprozeß.

Finanzierungs- und Förderinstrumentarien

Die folgenden Programme stellen eine sehr spezielle Auswahl aus einer großen Vielzahl von Förderinstrumentarien dar, die im jeweiligen Einzelfall auf ihre Eignung zu untersuchen sind.

 

  • Fünftes Forschungsrahmenprogramm der EU
  • Modell- und Demonstrationsvorhaben im Rahmen des Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds (EAGFL)
  • Projektförderung auf der Basis des Konzeptes der Bundesregierung zur Förderung von Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsvorhaben "Nachwachsende Rohstoffe 1996 – 2000" durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V., Gülzow
  • Marktanreizprogramm Erneuerbare Energien (BMWi)
  • Projektförderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Osnabrück
  • Wirtschaftsförderung im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur"
  • Projektförderung im Rahmen des Förderkonzeptes Nachwachsende Rohstoffe für Sachsen-Anhalt durch die Landesministerien für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten; Umwelt; Wirtschaft und Technologie; Kultus

 

Festgestellt werden muß, daß diese Förderinstrumente nicht ausreichend sind, um eine strategische orientierte Profilierung der Region auf dem Gebiet nachwachsender Rohstoffe zu erreichen.

Die zumeist als Projektförderung über eher kurze Zeiträume angelegten Programme gewährleisten i.d.R. kaum die notwendige Konzentration und Kontinuität des Innovationsprozesses. Darüberhinaus sind sie in ihrer Vielfalt und Komplexität von den kleinen und mittleren Unternehmen wenig zu überschauen und effektiv in Anspruch zu nehmen. Die Beteiligung dieser Unternehmen an europäischen Förderprogrammen ist auch aus diesem Grunde gering.

Ferner ist es unabdingbar, neben Forschung und Entwicklung sowie Investitionen auch Maßnahmen zur Vermarktung von Produkten und Verfahren zu unterstützen, wenn die vorher ausgegebenen Mittel nicht umsonst gewesen sein sollen. Dies ergibt sich daraus, daß die maßgeblichen Akteure (KMU) nicht nur über eine geringe Kapitaldecke verfügen, sondern auf Märkte drängen, die erst noch zu entwickeln sind. Neben (notwendigen) Förderprogrammen kann z.B. auch die Präferierung von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen bei Ausschreibungen der öffentlichen Hand ein geeignetes Mittel darstellen.

 

Kooperationsbeziehungen, Vernetzung

Zwischen den o.a. Akteuren gibt es verschiedenste bi- und multilaterale Kooperationsbeziehungen, die vor allem auf gemeinsame FuE-Projekte, Marktbearbeitung (z.B. Messebeteiligungen) sowie Lobbyarbeit ausgerichtet sind. Bündelungsfunktion haben die folgenden Organisationen/Einrichtungen:

  • IGZ NAROSSAÒ GmbH (FuE, Existenzgründung),
  • BIS NAROSSAÒ e.V. (Informationsaustausch, Messebeteiligungen),
  • Arbeitsgemeinschaft Nachwachsende Rohstoffe des Landesbauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V. (Lobbyarbeit).

Ein Beispiel für die Zusammenarbeit verschiedener Firmen ist der Bioenergiepark in Iden. Es steht zu erwarten, daß in der Weiterführung sowohl durch das BMBF geförderter als auch nicht geförderter InnoRegio-Projekte verschiedene weitere Netzwerke entstehen werden.

 

Insgesamt ist jedoch einzuschätzen, daß die existierenden Kooperationsgeflechte sowohl qualitativ und quantitativ ausgebaut werden müssen. Die verstärkte Bildung regionaler Netzwerke ist dringend notwendig, ansonsten sind anspruchsvolle marktfähige Produkte und Verfahren künftig weder zu entwickeln noch erfolgreich zu vermarkten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Innovation fördernde Dienstleister

Institution

Standort

Profil mit Bezug zum Thema

Agrarmarketinggesellschaft des Landes Sachsen-Anhalt mbH

Magdeburg

Vermarktung

BIS NAROSSAÒ e.V.

Magdeburg

Information und Beratung

Educa Privatakademie GmbH

Magdeburg

Aus- und Weiterbildung

IGZ NAROSSAÒ GmbH

Magdeburg

Vermietung von Technikums- und Büroflächen, Existenzgründungsberatung

Landesbauernverband Sachsen-Anhalt e.V.

Magdeburg

Lobbyarbeit

Messe Magdeburg

Magdeburg

Veranstaltung Fachmesse

ÖHMI Consulting GmbH

Magdeburg

Aus- und Weiterbildung, Veranstaltung Fachkongreß

RKW Sachsen-Anhalt e.V.

Magdeburg

Kooperationsnetzwerke

tti GmbH

Magdeburg

Beratung

Tab. 10: Innovation fördernde Dienstleister

Für die Innovation fördernden Dienstleister treffen die für die FuE-Einrichtungen gemachten Aussagen sinngemäß zu.

 

 

2.3. Darstellung der internationalen Entwicklungstrends

Technisch / technologisch / wissenschaftlich

Entwicklung und Anwendung von Produkten und Technologien im Bereich nachwachsender Rohstoffe werden seit etwa 10 Jahren verstärkt in den hochentwickelten Industriestaaten betrieben. Führend sind:

  • Europa (vor allem Frankreich, Bundesrepublik Deutschland, Niederlande, Österreich, Großbritannien, Italien sowie die nordeuropäischen Staaten),
  • USA und Kanada,
  • Japan.

Nachdem in der jüngsten Vergangenheit Fragen der energetischen Nutzung von Biomasse und der Diversifizierung der Rohstoffbasis im Vordergrund standen, sind die wichtigsten aktuellen technologischen Entwicklungstrends wie folgt zu benennen:

  • Züchtung transgener Sorten bekannter leistungsfähiger Kulturpflanzen,
  • Konversion natürlicher Rohstoffe mittels biotechnologischer Verfahren,
  • stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe.

Die in der Region forcierten Entwicklungen ordnen sich in die internationalen Aktivitäten ein. In einigen der benannten Technologiefelder nehmen regionale Akteure Spitzenplätze ein. Das betrifft die Entwicklung transgener Kulturpflanzen ebenso wie die Verarbeitung von Hanf oder Technologien zur Bleichung von Pflanzenölen.

 

 

 

 

Kooperationsformen

 

Der Aufbau einer geeigneten Struktur zur Bearbeitung des Technologiefeldes Nachwachsende Rohstoffe ist in den meisten Ländern staatlich vorangetrieben worden. In diesem Zuge sind in einer Reihe von Staaten sehr leistungsfähige FuE-Zentren mit teilweise mehreren Hundert wissenschaftlichen Mitarbeitern entstanden, z.B.:

  • POS (Protein Oil Starch), Saskatoon, Kanada
  • CETIOM, Frankreich
  • ATO-DLO, Wageningen, Niederlande
  • IFA Tulln, Österreich.

Die ersten Jahre 100 % staatlich finanziert, haben diese Einrichtungen die Aufgabe zunehmend Mittel Dritter einzuspielen. Dies geschieht über öffentliche Projektförderung (z.B. EU-Projekte mit verschiedenen Partnern) und Aufträge aus der Industrie.

In der Bundesrepublik Deutschland gab es Vergleichbares bislang nicht. Statt Strukturen zu schaffen, wurden Mittel zur Förderung von Einzelprojekten durch Bund (jährlich ca. 50 Mio. DM über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe) und Länder bereitgestellt. In Bayern ist jedoch in diesem Jahr der Beschluß gefaßt worden, mit ca. 110 Mio. DM Förderung ein den o.a. Beispielen vergleichbares Forschungszentrum in Straubing zu errichten.

 

Wie bereits ausgeführt verfügt die Region Altmark-Harz-Magdeburg über keine derartige Konzentration an FuE-Kapazitäten. Das ist ein eindeutiger Nachteil im nationalen und internationalen Wettbewerb, der mittelfristig ausgeglichen werden muß.

 

Gesetzlichkeit

Nachwachsende Rohstoffe in Europa sind sehr stark abhängig von der Gesetzgebung, insbesondere von der Landwirtschaftspolitik der Europäischen Union. Durch sie werden in erheblichem Maße Preise und damit Verfügbarkeit landwirtschaftlicher Rostoffe beeinflußt. Wegen der dadurch geschaffenen Unsicherheit (z.B. hat man die Größe der geförderten Stillegungsflächen teilweise jährlich neu festgelegt) sind in der Vergangenheit oftmals Investitionen verhindert worden (z.B. die durch die Fa. Cerestar GmbH Barby geplante Biodieselanlage).

Die AGENDA 2000 hat zwar zunächst für verbindliche Rahmenbedingungen gesorgt. Trotzdem bleibt abzuwarten, erstens wie sich diese im Hinblick auf die Neuverhandlungen der Welthandelsorganisation (WTO) zukünftig gestalten werden und zweitens welche Auswirkungen die Osterweiterung der Europäischen Union auf diese noch haben wird.

Langfristig ist durch den wachsenden Druck vor allem der Entwicklungsländer eine immer stärkere Liberalisierung der europäischen Landwirtschaftspolitik zu erwarten. Das würde bedeuten, daß dann überall in der Welt landwirtschaftliche Produkte zu (niedrigen) Weltmarktpreisen zur Verfügung stehen. Der Anbau und die Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe zu Zwischen- oder Endprodukten werden sich in diesem Zuge nach Osteuropa bzw. Übersee (z.B. Südamerika) verlagern. Die (westeuropäische) Landwirtschaft wird sich auf die Erzeugung qualitativ hochwertiger und teuerer Nahrungsmittel konzentrieren. Damit tun sich perspektivisch Exportchancen für Verarbeitungstechnologien auf.

 

 

2.4. Weitere zu berücksichtigende spezifische Rahmenbedingungen

entfällt

 

 

 

  1. Stärken und Schwächen
    1. Stärken und Schwächen bei der Korrelation Bedarf – Angebot

Stärken

  • nachgewiesene Potentiale der ausgewählten Technologiefelder in meist globalen Märkten
  • leistungsfähige landwirtschaftliche Betriebe
  • moderne und vielseitige Forschungslandschaft
  • Traditionen in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Rohstoffe

Schwächen

  • Schrittmacher der Entwicklung sind innovative, aber kapitalschwache, meist eher kleine als mittlere Unternehmen, die über wenig Präsenz auf nationalen und vor allem internationalen Märkten und sehr begrenzte FuE-Kapazitäten verfügen
  • geringe Vernetzung der regionalen Akteure (Unternehmen, FuE-Einrichtungen, Dienstleister)
  • wenig, teilweise gar nicht aufgeschlossene Märkte
  • ungenügend konzentrierte Förderlandschaft
  • starke Abhängigkeit von politischen Rahmenbedingungen
    1. Vorschläge zu weitergehenden Untersuchungen
    2. nicht erforderlich

    3. Darstellung der Untersuchungsergebnisse

Die Region Altmark-Harz-Magdeburg ist vorwiegend landwirtschaftlich geprägt. Sie verfügt über sehr leistungsfähige landwirtschaftliche Betriebe, die vor allem wegen ihrer effektiven Betriebsstrukturen außerordentlich wettbewerbsfähig sind. Wegen der sehr unterschiedlichen Güte der Ackerflächen in der Börde auf der einen und der Altmark auf der anderen Seite ist jedoch zwischen den einzelnen Betrieben stark zu differenzieren.

Zur Verarbeitung der landwirtschaftlichen Rohstoffe sind in der Region eine große (Fa. Cerestar GmbH, Barby) und eine im Aufbau befindliche kleine Stärkefabrik (Fa. Ceresan GmbH Haldensleben), eine große Zuckerfabrik (Kleinwanzleben), eine kleine Ölmühle (Kroppenstädt) sowie eine Faserverarbeitungsanlage (Fa. VERNARO GmbH Gardelegen) vorhanden. Ein Großteil der in der Region erzeugten Produkte wird jedoch außerhalb verarbeitet. Dies betrifft neben der erwähnten ersten vor allem weitere Verarbeitungsstufen. Die Region ist somit Rohstoffexporteur und Endproduktimporteur und nur in geringem Maße an der Wertschöpfung beteiligt.

Für einige der bekannten Nutzungsarten nachwachsender Rohstoffe gibt es in der Region besonders vorteilhafte Voraussetzungen. Das betrifft die Verwertung von Hanf, von pflanzlichen Inhaltsstoffen und Holz, die Herstellung und Verarbeitung biologisch abbaubarer Werkstoffe, die Pflanzenöltechnologie sowie die energetische Nutzung von Biomasse. Übergreifend ist die Pflanzenbiotechnologie als eine Voraussetzung für Innovation in den angegebenen Technologiefeldern zu nennen. Für diese Nutzungen konnten zugleich hohe Potentiale in zumeist globalen Märkten identifiziert werden.

Die Region verfügt über ferner über eine vielseitige moderne Forschungslandschaft, innovative, aber meist kleine Unternehmen (die zum Teil aus FuE-Einrichtungen generiert wurden) sowie über Innovation fördernde Dienstleister in allen erforderlichen Bereichen. Mangelhaft ist die Vernetzung der Akteure. Infolge des InnoRegio-Wettbewerbes beginnen sich aber derzeit leistungsstarke Verbünde zu formieren.

 

 

  1. Begründung der Projektgruppe
    1. Innovationspotential
    2. Nachwachsende Rohstoffe haben ein außerordentlich hohes Innovationspotential. Innerhalb der letzten 100 Jahre ist die industrielle Verwertung von Naturstoffen in allen Ländern der Erde mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt worden. Eine sog. Naturstoffchemie ist demzufolge erst wieder zu entwickeln. Durch die moderne Pflanzenbiotechnologie wird es darüberhinaus möglich, industriell verwertbare Inhaltsstoffe in der Pflanze selbst zu produzieren, und zwar mit (in der Natur sonst nicht vorkommender) hoher Reinheit. Darüberhinaus macht die Nutzung natürlicher Rohstoffe neue (vor allem biotechnologische) Verfahrenstechniken der Konversion, Verarbeitung und Verwertung der Reststoffe notwendig, und damit auch neue Maschinen und Anlagen.

      In der letzten 10 Jahren sind deshalb in den führenden Industriestaaten die Bemühungen um die Entwicklung neuer Produkte und Verfahren auf der Basis nachwachsender Rohstoffe stark angestiegen. In einigen europäischen Ländern sind Mitte der neunziger Jahre große Forschungsinstitute zu diesem Thema neu geschaffen worden (z.B. Niederlande, Österreich). Gab es noch vor einigen Jahren nur wenige wissenschaftliche Veranstaltungen zu dieser Problematik, ist gegenwärtig ein wahrer Boom zu verzeichnen. Das betrifft auch die Patentsituation, wenngleich quantitative Aussagen hierzu fehlen.

       

       

       

       

       

       

       

    3. Marktpotential
    4. Das Marktpotential kann ebenfalls als sehr hoch eingeschätzt werden, wenngleich Massenanwendungen eher mittelfristig zum Tragen kommen werden.

      Wegen der besonderen Aufmerksamkeit, die dem Umweltschutz in der Bundesrepublik Deutschland zukommt, ist der Inlandsmarkt als einer der aufnahmefähigsten für Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen überhaupt anzusehen. Trotzdem ist davon auszugehen, daß es keinen regional begrenzten Markt geben wird, sondern, daß in diesem Bereich tätige Unternehmen künftig global operieren müssen. Die Märkte selbst sind unterentwickelt und zum Teil erst zu schaffen.

      Wegen der absehbaren Globalisierung auch der Landwirtschaft ist mit einer fortschreitenden Verschiebung der Produktion und Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe nach Osteuropa und in die Entwicklungsländer zu rechnen. Marktchancen liegen deshalb auf lange Sicht im know-how- und Technologietransfer.

      Für Unternehmen der Region erscheinen im Zeitraum 2000 – 2010 Umsatzerlöse in den aufgeführten Themenfeldern in Höhe von 1 bis 2 Mrd. DM, bei einem hohen Exportanteil, möglich, wenn konkrete Projekte eine genügende Unterstützung erhalten.

    5. Arbeitskräftepotential
    6. Abgeleitet von den oben gemachten Aussagen zum Marktpotential ist überschläglich ein erschließbares Arbeitskräftepotential von mind. 500 bis 1.000 zusätzlichen Arbeitskräften, vor allem im verarbeitenden Gewerbe der Region zu prognostizieren.

    7. Beitrag zur Außenwirkung der Region

Die Region Altmark-Harz-Magdeburg besitzt das Potential, langfristig sowohl national als auch international eine anerkannte Spitzenposition im Anbau und der Verwertung nachwachsender Rohstoffe zu erlangen.

 

 

Anlage: Projektblätter

 

  1. Projekt RegINa (beigefügt)
  2. Projekt Netzwerk Biopolymere (beigefügt)
  3. Projekt Pflanzenbiotechnologie Nordharz/Börde (InnoRegio-Projekt – muß noch beigefügt werden)
  4. Projekt Rephyna (InnoRegio-Projekt – muß noch beigefügt werden)
  5. Projekt NInA (InnoRegio-Projekt – muß noch beigefügt werden)